Kranichsteiner Musikpreis

Der „Kranichsteiner Musikpreis" ist seit seiner Gründung im Jahr 1952 eng mit den Darmstädter Ferienkursen verbunden. Er wurde bislang 36 Mal vergeben, bis 2016 wurden insgesamt 179 Preisträger ausgezeichnet. Für viele von ihnen bedeutete die renommierte Auszeichnung einen wichtigen Schritt am Anfang ihrer Karriere als Musiker*in, Ensemble oder Komponist*in.


Der Preis ist 2018 mit insgesamt 6.000 EUR dotiert, davon entfallen je 3.000 EUR auf den Preis für Interpretation (Ensemble oder Solist) und auf den Preis für Komposition. Zusätzlich werden weitere Musiker*innen und Komponist*innen mit Stipendien für die Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen 2020 ausgezeichnet. Der Kranichsteiner Musikpreis wird vergeben für eine Komposition / eine Interpretation, die die Jury als herausragend in Qualität und Bedeutung beurteilt. Das Urteil der Jury stützt sich dabei auf folgende Kriterien:


Komposition: Originalität, Kohärenz, Risikobereitschaft, Wahl der Mittel im Verhältnis zum künstlerischen Vorhaben, Klarheit in Hinsicht auf den beabsichtigten Gedanken oder Ausdruck, Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern während der Kurse, Intelligenz im Blick auf Notation und Form sowie Kenntnis der verwendeten Instrumente / Klangerzeuger.


Interpretation: Kreativität, Bühnenpräsenz, Einsatz / Begeisterung, Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern während der Kurse, Texttreue im Verhältnis zur Partitur, Effiziente Kommunikation in Richtung auf das Publikum sowie (bei Ensembles) zwischen den Musikern, Klarheit in Hinsicht auf den interpretatorischen Zugang, Klangqualität, Instrumentenbeherrschung.


Als Preisträger kommen Komponisten und Ensembles / Musiker in Frage, die an den Darmstädter Ferienkursen teilnehmen. 
Berücksichtigt werden Kompositionen, die in einem offiziell angekündigten Konzert der Ferienkurse aufgeführt werden (dazu zählen auch Werke für Tonband / Elektronik, die dem Publikum im Rahmen von Konzerten oder Klanginstallationen vorgestellt werden). 
Interpreten (Solisten oder Ensembles) werden aufgrund ihrer Konzerte im Rahmen der Ferienkurse beurteilt.


Die Vergabe des Kranichsteiner Musikpreises und der Stipendien unterliegt dem Urteil einer unabhängigen Jury aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Neuen Musik. Bei den Darmstädter Ferienkursen 2018 werden die Komponistin Joanna Bailie, die Musikjournalistin Theresa Beyer und der Oboist Peter Veale der Jury angehören.

 

Zuletzt wurde der Kranichsteiner Musikpreis 2016 verliehen. Die damalige Jury Joanna Bailie (Komponistin), Thorbjørn Tønder Hansen (Festivalleiter) und Eva Zöllner (Akkordeonistin) zeichnete Celeste Oram (NZ) im Fach Komposition aus sowie den Posaunisten Weston Olencki (US) im Fach Interpretation.

Weston Olencki 2016 in Darmstadt
Performance Celeste Oram in Darmstadt 2016

Bailie, Joanna (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Geboren 1973 in London. Sie studierte Komposition bei Richard Barrett, elektronische Musik am Koninklijk Conservatorium in Den Haag und schloss 2001 ein Master Studium an der Columbia University in New York ab. Unter ihren neusten Arbeiten sind Stücke für Kammerensemble, Orchester sowie Installationen. Sie zeichnen sich durch den Einsatz von Medien und das Zusammenspiel von auditiven und visuellen Elementen aus. Joanna Bailie unterrichtete Komposition an der City University London, der Royal Academy of Music in Århus und 2014 bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Auch als Kuratorin ist sie aktiv: Gemeinsam mit Matthew Shlomowitz leitet sie das Ensemble Plus-Minus, 2010 war sie Gastkuratorin beim dänischen SPOR Festival und plante 2015 das  BBC Radio 3 Cut and Splice Festival. 2016 war sie beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD zu Gast.

Beyer, Theresa (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Geboren 1986 in Leipzig. Theresa Beyer hat in Bern Musikwissenschaft studiert und arbeitet als Musikjournalistin für das Schweizer Radio SRF 2 Kultur. Sie produziert sowohl längere Sendungen (u.a. „Musik unserer Zeit“, „Kontext“), als auch tagesaktuelle Beiträge aus den Bereichen zeitgenössische Musik, digitale Kultur und elektronische Musik von Pop bis Avantgarde. Seit 2011 gehört Theresa Beyer zum Kernteam des internationalen Musik-Recherche-Netzwerks Norient. Gemeinsam mit Thomas Burkhalter und Hannes Liechti gibt sie Bücher zu innovativen Nischenmusikszenen weltweit heraus, kuratiert Ausstellungen und Konzertreihen, betreibt norient.com und veranstaltet das Norient Musikfilm Festival in Bern, St. Gallen und Lausanne. 2016 erhielt Theresa Beyer den Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik, der vom Internationalen Musikinstitut Darmstadt (IMD) verliehen wurde.

Theresa Beyer 2016 in Darmstadt

Veale, Peter (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Peter Veale, in Neuseeland geboren, wuchs in Australien in einer Musikerfamilie auf. Er studierte Oboe bei Heinz Holliger in Freiburg und Dirigieren bei Francis Travis. Seit 1994 ist er festes Mitglied des Ensemble Musikfabrik und tritt darüber hinaus weltweit als Solist auf. 1994 ist auch sein bis heute maßgebliches Buch Die Spieltechnik der Oboe (Bärenreiter) erschienen. Einen Lehrauftrag für Oboe hat Peter Veale seit 2006 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und seit 2013 auch an der Hochschule für Musik und Tanz Köln inne. Seit über 14 Jahren ist er Dozent für Oboe bei den Internationalen Ferienkursen für neue Musik in Darmstadt.
Neben den vielfältigen pädagogischen Programmen, die er für und mit dem Ensemble Musikfabrik entwickelt hat und durchführt, ist er auch seit 2012 künstlerischer Leiter des Studio Musikfabrik, dem Jugendensemble des Landesmusikrates NRW.

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Peter Veale, Ensemble musikFabrik, Foto: Klaus Rudolf