Kranichsteiner Musikpreis

Der „Kranichsteiner Musikpreis" ist seit seiner Gründung im Jahr 1952 eng mit den Darmstädter Ferienkursen verbunden. Er wurde bislang 35 Mal vergeben, bis 2014 wurden insgesamt 177 Preisträger ausgezeichnet, darunter 52 Komponisten. Für viele von ihnen bedeutete die renommierte Auszeichnung einen wichtigen Schritt am Anfang ihrer Karriere als Musiker, Ensemble oder Komponist.


Der Preis ist 2016 mit insgesamt 6.000 EUR dotiert, davon entfallen je 3.000 EUR auf den Preis für Interpretation (Ensemble oder Solist) und auf den Preis für Komposition. Zusätzlich werden weitere Musiker und Komponisten mit Stipendien für die Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen 2018 ausgezeichnet. Der Kranichsteiner Musikpreis wird vergeben für eine Komposition / eine Interpretation, die die Jury als herausragend in Qualität und Bedeutung beurteilt. Das Urteil der Jury stützt sich dabei auf folgende Kriterien:


Komposition: Originalität, Kohärenz, Risikobereitschaft, Wahl der Mittel im Verhältnis zum künstlerischen Vorhaben, Klarheit in Hinsicht auf den beabsichtigten Gedanken oder Ausdruck, Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern während der Kurse, Intelligenz im Blick auf Notation und Form sowie Kenntnis der verwendeten Instrumente / Klangerzeuger.


Interpretation: Kreativität, Bühnenpräsenz, Einsatz / Begeisterung, Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern während der Kurse, Texttreue im Verhältnis zur Partitur, Effiziente Kommunikation in Richtung auf das Publikum sowie (bei Ensembles) zwischen den Musikern, Klarheit in Hinsicht auf den interpretatorischen Zugang, Klangqualität, Instrumentenbeherrschung.


Als Preisträger kommen Komponisten und Ensembles / Musiker in Frage, die an den Darmstädter Ferienkursen teilnehmen. 
Berücksichtigt werden Kompositionen, die in einem offiziell angekündigten Konzert der Ferienkurse aufgeführt werden (dazu zählen auch Werke für Tonband / Elektronik, die dem Publikum im Rahmen von Konzerten oder Klanginstallationen vorgestellt werden). 
Interpreten (Solisten oder Ensembles) werden aufgrund ihrer Konzerte im Rahmen der Ferienkurse beurteilt.


Die Vergabe des Kranichsteiner Musikpreises und der Stipendien unterliegt dem Urteil einer unabhängigen Jury aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Neuen Musik. In den Jahren 2010 und 2012 waren dies James Clarke (Komponist), Bernhard Günther (Musikdramaturg) und Barbara Maurer (Bratschistin). Bei den Ferienkursen 2014 haben die Musikjournalistin Carolin Naujocks, der Komponist Hannes Seidl und die Akkordeonistin Eva Zöllner zwei Wochen lang alle offiziellen Konzerte verfolgt und im Abschlusskonzert am 16. August 2014 die Preisträger gekürt. Den Kranichsteiner Musikpreis für Komposition erhielt 2014 Ashley Fure (USA), den für Interpretation das Ensemble Distractfold (Großbritannien).

 

Bei den Darmstädter Ferienkursen 2016 besteht die Jury für den Kranichsteiner Musikpreis aus der Komponistin Joanna Bailie, dem Festivalleiter Thorbjørn Tønder Hansen, und der Akkordeonistin Eva Zöllner.

Bailie, Joanna (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Geboren 1973 in London. Sie studierte Komposition bei Richard Barrett, Electronische Musik am Koninklijk Conservatorium in Holland und schloss 2001 ein Master Studium an der Columbia University in New York ab. Unter ihren neusten Arbeiten sind Stücke für Kammerensemble, Orchester sowie Installationen. Sie zeichnen sich durch den Einsatz von Medien und das Zusammenspiel von auditiven und visuellen Elementen aus. Joanna Bailie unterrichtete Komposition an der City University London, der Royal Academy of Music in Aarhus und 2014 bei den Darmstädter Ferienkursen. Auch als Kuratorin ist sie aktiv: Gemeinsam mit Matthew Shlomowitz leitet sie das Ensemble Plus-Minus, war 2010 Gastkuratorin beim dänischen SPOR Festival und plante 2015 das  BBC Radio 3 Cut and Splice Festival. 2016 ist sie beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD zu Gast.

Hansen, Thorbjørn Tønder (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Thorbjørn Tønder Hansen ist Direktor des SNYK – dem nationalen Zentrum für zeitgenössische, experimentelle Musik und Klangkunst in Dänemark. SNYK engagiert sich für die Szene in Dänemark und die dänische Szene im Ausland, zudem veranstaltet es das jährliche Festival G((o))ng in Kopenhagen, für das Hansen künstlerischer Leiter ist.
2008/09 war er Projektleiter des EU-geförderten Netzwerks Re:New Music, das zum New:Aud network weiter entwickelt wurde. 2006/07 war er Kurator für Stavanger Europäische Kulturhauptstadt 2008. Von 2000-06 war Hansen Geschäftsführer des Cikada Ensembles und Streichquartetts in Oslo und arbeitete als Produktionsleiter beim Ultima Festival. Er besitzt einen Master-Abschluss in Komparatistik mit einer Arbeit über Henrik Ibsen und das deutsche Theater.

Zöllner, Eva (Jury Kranichsteiner Musikpreis)

Eva Zöllner studierte klassisches Akkordeon an der Hochschule für Musik Köln und am Königlich Dänischen Konservatorium in Kopenhagen. Sie zählt zu den aktivsten Akkordeonistinnen ihrer Generation und widmet sich mit großem Engagement der zeitgenössischen Musik. Als international gefragte Künstlerin präsentiert sie weltweit Projekte, die von der experimentellen Solo-Performance bis hin zur Zusammenarbeit mit namhaften Orchestern reichen. Die enge Zusammenarbeit mit Komponisten ihrer Generation ist ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Daraus resultierend hat sie in den letzten Jahren mehr als 100 Werke uraufgeführt. Besonders interessiert sie dabei die Kombination ihres Instruments mit neuen Medien. Eva Zöllner lebt in Hamburg und nomadisch auf der Reise, um ihr Instrument in unterschiedlichsten Kontexten und Kulturen zu erkunden.

Eva Zöllner, Foto: Henning Bode