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Samstag, 13. August 2016 | 19:30 | hr-Sendesaal (Frankfurt)

Blood Air Fire: hr-Sinfonieorchester

Bernhard Gander: bloodbeat für Orchester (2015/16) (UA)
Helmut Lachenmann: Air. Musik für großes Orchester und Schlagzeug-Solo (1968/69, rev. 1994/2015)
Brian Ferneyhough: Firecycle Beta. Symphonischer Torso für zwei Klaviere und Orchester mit fünf Dirigenten (1969-71)


Christian Dierstein (Schlagzeug)

Klavier-Duo Sugawara/ Hemmi (Klaviere)

hr-Sinfonieorchester
Lucas Vis (Musikalische Leitung)

Lennart Dohms, Konradin Herzog, Etienne Siebens, Scott Voyles (zusätzliche Dirigenten Ferneyhough)


„[…] der erstickte Schlag, die gepresste Saite, der tonlose Luftstoß: Sie bedeuten in solchem Zusammenhang nicht surrealistischen Gag oder aggressive Provokation, sondern logische Integration des gesamten verfügbaren Klang- und Geräuschrepertoires übers bislang Salonfähige hinaus, und sie dienen einem Schönheitsbegriff, der das Tabu der Gewohnheit durchbricht und sich orientiert an der Reinheit und strukturellen Klarheit der klingenden Situation als energetisch bestimmtem Feld.“ Helmut Lachenmann über „Air

 

Bis in die Anfangsjahre der Darmstädter Ferienkurse reicht die Partnerschaft mit Radio Frankfurt, dem heutigen Hessischen Rundfunk (hr), zurück. Neben Konzertübertragungen und Berichterstattung über die Ferienkurse hat sich der hr stets auch mit Gastkonzerten eingebracht. Das hr-Sinfonieorchester bestritt etliche große Uraufführungen im Rahmen der Ferienkurse, so auch von Helmut Lachenmanns Schlagzeugkonzert Air im Jahr 1969. Dieses Stück steht auch auf dem Programm des Orchesterkonzerts zum 70-jährigen Jubiläum, wenn die Ferienkurse im hr-Sendesaal in Frankfurt Station machen.
Gerade das Schlagzeug erschien Lachenmann prädestiniert dafür, die Aufmerksamkeit auf die Erzeugung der Klänge zu richten. Er spricht von „Klangrealistik, der es darum geht, gerade die äußere mechanische Kausalität, die einem Klang zugrunde liegt, in die Erfahrung und Reflexion einzubeziehen.“


Unter der Leitung von Lucas Vis spielt das hr-Sinfonieorchester außerdem Brian Ferneyhoughs symphonischen Torso Firecycle Beta. Es war das erste Orchesterwerk des noch nicht einmal dreißigjährigen Komponisten, greift aber mit seiner monumentalen Anlage und seinem universellen Anspruch weit aus: Der Titel Firecycle bezieht sich, so Ferneyhough, „auf die Theorie von Heraklit über die periodische Zerstörung und Wiederherstellung des Universums durch und mit Hilfe von Feuer (das Symbol für den ewigen Wandel wie auch für Reinheit)“. Als Ferneyhough 1969 mit der Komposition begann, war an eine Aufführung dieses aufwändig zu realisierenden Werks erst einmal nicht zu denken. Es verlangt neben zwei Klavieren einen großen Orchesterapparat, aufgestellt in Gruppen auf der Bühne, die neben dem Hauptdirigenten von vier weiteren Dirigenten geleitet werden. Beta sollte eigentlich „nur“ den mittleren Teil in einem groß angelegten dreiteiligen Zyklus bilden. Diesen Plan hat Ferneyhough jedoch nicht weitergeführt und so steht Firecycle Beta nun als symphonischer Torso für den visionären Entwurf. Diesen beiden Orchesterutopien der späten 60er Jahre von Lachenmann und Ferneyhough steht als aktuelle Position ein Auftragswerk der diesjährigen Darmstädter Ferienkurse gegenüber: bloodbeat, komponiert von dem 1969 geborenen Österreicher Bernhard Gander.